Münsterland - Haus Borg


Haus Borg in Drensteinfurt

1 Kommentar:

  1. Die Anlage war im Mittelalter Sitz der Herren von Rinkerode und gelangte im 15. Jahrhundert an die Herren von Kerckerinck. Im 18. Jahrhundert beabsichtigte der kurkölnische Obersthofmarschall Jobst Stephan Freiherr von Kerckerinck den Ausbau des Herrenhauses zu einer barocken Dreiflügelanlage.
    Im 19. und 20. Jahrhundert war Haus Borg Wohnsitz des Engelbert Freiherrn von Kerckerinck zur Borg. Er war damals in Westfalen eine bekannte Persönlichkeit. Als Präsident des westfälischen und deutschen Bauernverbandes und als konservativer Zentrumspolitiker, von 1912-18 gehörte er als Abgeordneter dem Berliner Reichstag an, hatte er großen Einfluß auf das politische und wirtschaftliche Zeitgeschehen. Zudem war er Mitbegründer des Westfälischen Heimatbundes. 1912 veröffentlichte er zusammen mit dem Kunsthistoriker Richard Klapheck das Buch "Alt-Westfalen - Die Bauentwicklung Westfalens seit der Renaissance" und machte so die Ideen des Heimatschutzes und der Denkmalpflege einer breiten Öffentlichkeit bekannt.
    Haus Borg ist eine Wasserschlossanlage auf drei Inseln. Auf den beiden Hausinseln gruppieren sich jeweils um einen Hof die verschiedenen Bauten aus dem 15. - 20. Jahrhundert. Zur Zeit der Renaissance wurde auf der Hauptinsel das mittelalterliche Burghaus zu einem größeren Wohnhaus ausgebaut und an den Schmalseiten im Westen und Osten mit einem Dreistaffelgiebel versehen. Westlich vom Hauptgebäude entstand im 16. Jahrhundert das Brauhaus, welches in nordwestlicher Richtung einen wehrhaften Rundturm mit Kegeldach erhielt. Etwa ein Jahrhundert später wurden an das Brauhaus in südwestlicher Richtung die eingeschossigen Ökonomiegebäude angefügt. Im Osten der Vorburginsel wurde im 17. Jahrhundert ein langgestrecktes Torhaus mit zwei Wehrtürmen an den Eckpunkten errichtet. Der nördliche Turm ist 1618 datiert und die Tordurchfahrt wird im Giebelfeld mit einem großen Wappen von 1664 geschmückt. Aus dem 17. bis 20. Jahrhundert stammen die verschiedenen Ökonomiebauten der Vorburginsel. Beim barocken Ausbau im Jahre 1719 wurde nur der östliche Seitenflügel nach Plänen des westfälischen Barockbaumeisters Gottfried Laurenz Pictorius realisiert. Der zweigeschossige Pavillonbau hebt sich mit einem Walmdach und zwei mächtigen Schornsteinen aus dem gesamten Bauensemble heraus. Die beiden Schornsteine sind mit einer gemauerten Firstgalerie verziert.
    Bei einem Brandbombenangriff im 2. Weltkrieg wurde das Herrenhaus beschädigt und in den nachfolgenden Jahren nicht mehr bewohnt. Nach der Auswanderung der Familie Kerckerinck zu Borg in die USA erwarb ein Privatmann aus dem Ruhrgebiet das Wasserschloss und ließ von 1982-88 die Gebäude und den Garten umfassend renovieren. Haus Borg ist eines der schönsten Wasserschlösser Westfalens.

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